PREV | NEXT  1/5    

Pirol (2017)

Sound Installation 8-Kanal
Dauer 7 Min. 56 Sek.

UA 26.05.2017 Löwendenkmal Luzern

Ich sitze auf einer Bank.
Rechts, links.
Autos, Töffs, Stimmen, Sirenen...
Die Augen geschlossen.
Wunderbare Vogelstimmen lösen die Stadtgeräusche in meinem Lauschen ab.

Das Gezwitscher der Vögel fasziniert mich und lässt mich oft schmunzeln. Es ist erstaunlich, wie laut und intensiv dieser Stimmen-Pegel sein kann, wenn ich meine Wahrnehmung darauf fokussiere. Beim genaueren Hinhören kann ich einzelne Vogelstimmen gezielt verfolgen und entdecken, wie sie aufeinander reagieren und kommunizieren. Da wird parliert, gestritten, gelacht, debattiert. Zwiegespräche schälen sich heraus, verschiedene Emotionalitäten werden spürbar. Ich staune immer wieder! Es ist ein Soundbild mit unterschiedlichen Raumtiefen, je nachdem, auf was ich mich gerade fokussiere.

Diese Beobachtungen und Erfahrungen haben mich veranlasst, mit Vogelstimmen eine eigene Szenerie zu komponieren, in der unsere Wahrnehmungsweise herausgefordert wird. In der freien Natur vermischen sich die manipulierten Vogelstimmen meiner Installation mit dem realen Vogelstimmen-Ambiente. Dabei werden die Gesänge noch deutlicher hervorgehoben. Das erzeugt jene leichten Irritationen, die unsere Wahrnehmungsweise schärfen und erweitern.

Meine Arbeit „Pirol“ hat zwei Hauptebenen: Zum einen sind über die Lautsprecher verschiedene Vögel zu hören, wie sie jederzeit irgendwo singen können. Dieses Vogelstimmen-Ambiente bildet sozusagen das Hintergrundrauschen, auf dem sich dann – als zweite Ebene – der Gesang des Pirols abhebt. Der Fokus richtet sich sukzessive auf diese Stimme, die sich unweigerlich in den Vordergrund zoomt. Der Pirol hat eine besondere schöne Stimme, die bei mir ein Gefühl von Wärme und Lieblichkeit auslöst. Deswegen habe ich diesen Vogel ausgewählt.

Die Gesänge des Pirols sind komponiert. Dazu habe ich die Aufnahme seines natürlichen Singens in feinste Einheiten zerschnitten und zu neuen Melodien zusammengesetzt. Es sind Melodiefolgen, wie sie so in der Natur nicht vorkommen. Sie wurden von mir mit dem originalen Klangmaterial der Pirol-Stimme kreiert. Die charakteristischen Laute habe ich in einer leicht überspitzten Form beibehalten.

Die Klangebene des Pirol-Gesangs besteht aus vier Bildern mit einer je eigenen Struktur, Dynamik und Tonbeschaffenheit. Zunächst hören wir einen Lockruf, dann entwickeln sich zwei Melodien. In der Folge kommt es zu einem lebhaften Zwiegespräch zwischen den Pirolen, das gegen Schluss sachte abflacht und sich im Vogelstimmen-Ambiente wieder auflöst.

Die 8-Kanal-Installation kann in unterschiedlichen Lebensräumen und an verschiedenen Orten aufgestellt werden. Auf einem kleinen See, auf dem die acht Lautsprecher im Wasser schwimmen, im Wald und auf der Wiese, aber auch in der Stadt, etwa in einem Park. Um die räumliche Wirkung der Vogelstimmen zu erfahren und die Feinheiten zu erkennen, ist eine 8-Spur-Installation unumgänglich. Ihre Wirkung entfaltet die Arbeit vorzugsweise in einer Umgebung, wo sie mit realen Vogelstimmen in Kontakt treten kann.

„Pirol“ kann als Statement gegen eine ökologisch und politisch zunehmend fragiler gemachte Welt verstanden werden. Natur- und Lebensräume sind bedroht, politische Machthaber scheinen nur noch unglaubwürdiger und korrupter zu werden, ökonomische Interessen werden alldominant, die gesellschaftlichen Gefälle werden grösser. In dieser Situation empfinde ich das Arbeiten mit den Vogelstimmen wie eine Zuflucht, die mich entspannt und stärkt, die mich auftanken und durchatmen lässt. „Pirol“ soll die Aufmerksamkeit auf die subtilen und frappanten Schönheiten lenken, die unser Leben auch noch auszeichnen und die mit den Vogelstimmen mit einem besonderen Zauber zur Geltung kommen.

Konzept, Komposition und Installation Marie-Cécile Reber 2017


Pirol (2017)
Sound installation 8-Channel
Duration 7 min 56 sec.

Premiere 26.05.2017 Lion Monument Lucerne

“Pirol” is simply the German word for the Oriole bird.

I am sitting on a bench.
To my right and left,
cars, motorbikes, voices, sirens…
my eyes are closed.

Within my hearing range the sounds of the city are replaced by beautiful birdsong.
The sound of the chirping birds fascinates me and often makes me smile. It is astounding how
loud their voices can be when I focus my attention on them. If I listen more accurately I can track how the individual birds react and communicate with each other. One can hear them talking, fighting, laughing and debating; dialogues emerge and different emotions are perceptible. I am always amazed! It’s a soundscape with different depths of space depending on what I focus on.
These observations and experiences prompted me to create my own audio-landscape using bird song. In this composition I set out to challenge our perceptions of what is natural and what is artificial. The work will be situated outdoors so that my manipulated bird calls mix with real ambient bird calls. By creating a slight irritation between the naturally occurring and the manipulated sounds I intend to sharpen and expand our perception and thus the song of the oriole becomes more clearly distinguishable.
The work “Pirol” has two layers: firstly, there is a layer of ambient birdcalls; a chirping, that
mimics the way we hear birds in their natural environments. These act as a background over which the second layer, the song of the oriole, stands out. Gradually the audio-focus shifts to concentrate on the song of the oriole, which inevitably comes to the fore. The oriole has an especially beautiful voice which gives me a feeling of warmth and sweetness. This is why I chose this bird as the main voice for the piece.
I composed the oriole by cutting a recording of the bird’s natural song into its smallest units and reassembling them into new melodies, that are not found in nature. I kept the characteristic sounds but in a slightly exaggerated form.
The oriole’s song in the piece consists of four compositions with their own structure, dynamic and tonal quality. First we hear the call and then two melodies develop. As a result, there is a lively dialogue between the compositions, which gently flattens out towards the end and dissolves again into the birdcall ambient background.
The 8 channel installation can be installed in various habitats and locations: on a small lake where the eight loudspeakers swim in the water, in the forest or in a meadow, but also in the city, for example in a park. In order to experience the spatial effect of the bird sounds and to recognize the intricacies, an 8-track installation is essential. For the work to achieve its real impact it is preferable that it is installed in an environment where it can come into contact with real birdsong.
"Pirol" can be understood as a statement about a world that is increasingly fragile ecologically and politically. Nature and habitats are endangered, those with political power seem only to become more untrustworthy and corrupt, economic interests dominate everything and the gaps in the social system are getting bigger. Bearing this situation in mind I have found the work with birdsong to be a safe haven, that relaxes and rejuvenates me. Here I can recharge my batteries and breathe deeply. “Pirol” is intended to draw our attention to the subtle and striking beauty that still defines our existence and comes to life with a special magic in birdsong.

Concept, composition and installation by Marie-Cécile Reber 2017